Unser letzter Artikel aus der Serie Probiotika beschäftigt sich mit der Produkt Qualität, und den Anforderungen die an Probiotica gestellt werden. Ich hoffe Sie haben diese Mini Serie genau so Interessant gefunden wie wir und wir würden uns sehr über Ihre Kommentare, Erfahrungen und Beiträge freuen. Schreiben Sie uns doch wie Ihre Erfahrungen sind. Seit probiotische Bakterienkulturen vor allem im Lebensmittelbereich eine Rennaissance erfahren, widmen sich etliche Hersteller und Produzenten der Neuentwicklung von Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln, die lebende Mikroorganismen enthalten. Unter dem Stichwort „Functional Food“ kommen ständig neue Präparate auf den Markt. Diese halten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit jedoch nicht immer, was publikumswirksame Werbeslogans versprechen. Damit ein Probiotikum dem Menschen tatsächlich nützt, muss es bestimmten Qualitätsanforderungen genügen, die in erster Linie über die Vorgaben der WHO und der FAO zu definieren sind. Beide Organisationen haben 2001 festgelegt, dass Probiotika lebende Mikroorganismen sind, die eine gesundheitsförderliche Wirkung auf den Wirtsorganismus haben, wenn sie in ausreichender Menge verabreicht werden.
Kritisch ist dabei zunächst die Anzahl der eingesetzten Bakterien, die in Abhängigkeit von der täglichen Verzehrmenge den menschlichen Darm lebend erreichen sollen, um die geforderte Wirksamkeit zu erzielen. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass dazu mindestens 108 Keime pro Tag aufgenommen werden müssen. Für die meisten der handelsüblichen Präparate liegt die Dosis bei 108 bis 1010 Keimen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang das Haltbarkeitsdatum. Denn wenn das Nährsubstrat im Produkt verbraucht ist – das sind in einem Milchprodukt zum Beispiel der Milchzucker und die Milchproteine -, verringert sich die Zahl der aktiven Probiotika rapide.
Damit ein probiotisch aktiver Bakterienstamm den Darm überhaupt erreicht, muss er zunächst den Verdauungssäften im Magen und im oberen Dünndarm wiederstehen. Die Magen-Darm-Passage des Menschen zeichnet sich zum Schutz vor unerwünschten Eindringlingen unter anderem dadurch aus, dass sie sämtliche Nährstoffe, die dem Organismus oral zugeführt werden, zunächst in ein Säurebad taucht. Der pH-Wert im Magen liegt nüchtern zwischen 1 und 1,5, der Salzsäuregehalt, der dafür verantwortlich ist, knackt in der Regel selbst stabile Bakterienhüllen. Im Dünndarm kommen dann Gallensalze und Enzyme dazu, die lebenden Eindringlingen das Leben schwer machen. Hier kann die Darreichungsform für die Wirksamkeit eines Probiotikums eine entscheidende Rolle spielen. Etliche Hersteller schützen ihre probiotischen Kulturen zum Beispiel durch säureresistente Kapselhüllen, was den Durchtrittserfolg durch den oberen Intestinaltrakt deutlich erhöht. Hochdosierte Produkte erhöhen die Überlebenschance einzelner Bakterienkolonien ebenfalls.
Ein weiteres Qualitätskriterium für sinnvoll einzusetzende Probiotika sind schließlich die Bakterienstämme selbst, die in dem jeweiligen Produkt Verwendung finden. Etliche Arten werden derzeit intensiv untersucht oder haben bereits in der Vergangenheit ihre Wirksamkeit empirisch bewiesen. Der Verbraucher fährt entsprechend mit den probiotischen Stammkulturen und Präparaten am besten, für die ein positiver Effekt bereits ausreichend gezeigt wurde.
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Mittwoch, 9. April 2014
Dienstag, 8. April 2014
Geschichte des probiotischen Konzepts
Als Louis Pasteur und später Robert Koch ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Mikrobiologie vorstellten, eröffnete sich der medizinischen Wissenschaft eine neue Welt. Und schnell rückten neben den gefürchteten Milzbrand- und anderen Krankheitserregern Mitte des 19. Jahrhunderts auch die nicht-pathogenen Keime des menschlichen Verdauungstrakts in den Mittelpunkt des Interesses. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Mikrobiologen in aller Welt über ein therapeutisches Konzept nachdachten, das den verschiedenen Spezies gerecht wurde, die unter dem Oberbegriff „Darmflora“ zusammenfassend beschrieben wurden. Tatsächlich hat indirekt Pasteur selbst die Diskussion um ein probiotisches, gesundheitsförderndes Konzept los getreten, denn der französische Naturwissenschaftler konnte in verschiedenen Versuchsreihen zeigen, dass nicht-pathogene Darmbakterien den Milzbranderreger im Wachstum hemmen.
Später beschrieben Wissenschaftspioniere wie Ilja Metschnikoff und Leo Frederick Rettger ähnliche Phänomene und postulierten einen „bakteriellen Antagonismus“, der „gute“ Keime in die Lage versetzte, bestimmte Krankheitserreger aus dem Darmlumen zu verdrängen. Zu den Wegbereitern des probiotischen Konzepts gehörten neben den genannten auch Größen wie Paul Ehrlich, der sich ebenfalls entscheidend um die Bekämpfung bakterieller Infektionen verdient machte, und der Kinderarzt und Bakteriologe Theodor Escherich, der sich ausführlich mit der Zusammensetzung und der Funktionalität der Darmflora auseinander setzte.
Ilja Metschnikoff, der direkte Nachfolger Pasteurs am Pasteur-Institut in Paris, war dann Anfang des 20. Jahrhunderts der erste Bakteriologe, der den prophylaktischen Einsatz von Laktobazillen öffentlich diskutierte. Der russische Nobelpreisträger gilt deshalb heute als der Stammvater des probiotischen Konzepts. Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gingen die Forscher allerdings noch davon aus, dass sich im Darm aufgrund der bakteriell initiierten Verdauungsprozesse zwangsläufig verschiedene Giftstoffe anhäuften. Probiotische Präparate dienten entsprechend zunächst nicht der Unterstützung der körpereigenen Darmflora, sondern sollten vielmehr der scheinbar unvermeidlichen „intestinalen Intoxikation“ entgegen wirken.
Dass eine gesunde Darmflora ihren Wirt nicht nur nicht schädigt, sondern ihn vielmehr mit essentiellen Nährstoffen versorgt und darüber hinaus auch noch das Immunsystem unterstützt, erkannte die Wissenschaft erst nach und nach. Das alte Medizinersprichwort, nach dem „der Tod aus dem Darm kommt“, hielt sich in einigen Fachkreisen sogar bis in die 2. Hälfte des 20 Jahrhunderts hinein. Heute weiß man, dass Escherichia coli & Co. keine Parasiten sind, sondern dass der Mensch ohne seine stoffwechselaktiven Untermieter nicht leben könnte. Der exzessive Gebrauch von Antibiotika, der nach der Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928 einsetzte, lieferte erste Hinweise darauf, dass bakterizide Arzneistoffe über die Schädigung der natürlichen Darmpopulationen schwere Durchfälle hervorrufen können, die unbehandelt zum Tod führen können.
Mit der Weiterentwicklung der Antibiotika, die in ihrer natürlichen Ausprägung ebenfalls von Mikroorganismen produziert werden, geriet das probiotische Konzept zunächst in Vergessenheit. Zwar hatte der Freiburger Arzt Alfred Nissle bereits 1917 seinen berühmten Escherichia coli Stamm Nissle 1917 zur Behandlung schwerer Darminfektionen angemeldet, in der Praxis waren die neuen antibiotischen Wirkstoffe den wenigen probiotischen Darreichungsformen aber weit überlegen.
Erst in den 1960er Jahren, als die meisten Antibiotika durchgetestet waren und sich die neue Behandlungsmethode auch in ihrer Endlichkeit präsentierte, nahmen Mediziner, Biologen und Pharmazeuten den probiotischen Gedanken wieder auf. Seitdem enthüllen moderne Untersuchungsmethoden, randomisierte Studien und gesundheitsbewusste Nahrungsergänzungskonzepte ständig neue Einblicke in die faszinierende Welt der Probiotik.
Später beschrieben Wissenschaftspioniere wie Ilja Metschnikoff und Leo Frederick Rettger ähnliche Phänomene und postulierten einen „bakteriellen Antagonismus“, der „gute“ Keime in die Lage versetzte, bestimmte Krankheitserreger aus dem Darmlumen zu verdrängen. Zu den Wegbereitern des probiotischen Konzepts gehörten neben den genannten auch Größen wie Paul Ehrlich, der sich ebenfalls entscheidend um die Bekämpfung bakterieller Infektionen verdient machte, und der Kinderarzt und Bakteriologe Theodor Escherich, der sich ausführlich mit der Zusammensetzung und der Funktionalität der Darmflora auseinander setzte.
Ilja Metschnikoff, der direkte Nachfolger Pasteurs am Pasteur-Institut in Paris, war dann Anfang des 20. Jahrhunderts der erste Bakteriologe, der den prophylaktischen Einsatz von Laktobazillen öffentlich diskutierte. Der russische Nobelpreisträger gilt deshalb heute als der Stammvater des probiotischen Konzepts. Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gingen die Forscher allerdings noch davon aus, dass sich im Darm aufgrund der bakteriell initiierten Verdauungsprozesse zwangsläufig verschiedene Giftstoffe anhäuften. Probiotische Präparate dienten entsprechend zunächst nicht der Unterstützung der körpereigenen Darmflora, sondern sollten vielmehr der scheinbar unvermeidlichen „intestinalen Intoxikation“ entgegen wirken.
Dass eine gesunde Darmflora ihren Wirt nicht nur nicht schädigt, sondern ihn vielmehr mit essentiellen Nährstoffen versorgt und darüber hinaus auch noch das Immunsystem unterstützt, erkannte die Wissenschaft erst nach und nach. Das alte Medizinersprichwort, nach dem „der Tod aus dem Darm kommt“, hielt sich in einigen Fachkreisen sogar bis in die 2. Hälfte des 20 Jahrhunderts hinein. Heute weiß man, dass Escherichia coli & Co. keine Parasiten sind, sondern dass der Mensch ohne seine stoffwechselaktiven Untermieter nicht leben könnte. Der exzessive Gebrauch von Antibiotika, der nach der Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928 einsetzte, lieferte erste Hinweise darauf, dass bakterizide Arzneistoffe über die Schädigung der natürlichen Darmpopulationen schwere Durchfälle hervorrufen können, die unbehandelt zum Tod führen können.
Mit der Weiterentwicklung der Antibiotika, die in ihrer natürlichen Ausprägung ebenfalls von Mikroorganismen produziert werden, geriet das probiotische Konzept zunächst in Vergessenheit. Zwar hatte der Freiburger Arzt Alfred Nissle bereits 1917 seinen berühmten Escherichia coli Stamm Nissle 1917 zur Behandlung schwerer Darminfektionen angemeldet, in der Praxis waren die neuen antibiotischen Wirkstoffe den wenigen probiotischen Darreichungsformen aber weit überlegen.
Erst in den 1960er Jahren, als die meisten Antibiotika durchgetestet waren und sich die neue Behandlungsmethode auch in ihrer Endlichkeit präsentierte, nahmen Mediziner, Biologen und Pharmazeuten den probiotischen Gedanken wieder auf. Seitdem enthüllen moderne Untersuchungsmethoden, randomisierte Studien und gesundheitsbewusste Nahrungsergänzungskonzepte ständig neue Einblicke in die faszinierende Welt der Probiotik.
Montag, 7. April 2014
Probiotische Lebensmittel
Heute wollen wir über Lebensmittel sprechen, aber nicht irgend welche Lebensmittel sondern über Probiotische Lebensmittel. Ja genau so etwas gibt es auch. Viele dieser Nahrungsmittel nehmen wir regelmäßig zu uns ohne über Ihre Wirkung zu wissen.
Probiotische Nahrungsmittel und probiotische Lebensmittel sind im weitesten Sinne fast so alt wie die Menschheit, denn Fermentations- und Gärprozesse, die Lebensmittel aller Art haltbarer oder verträglicher machen, spielen in der menschlichen Ernährung seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle. Pflanzliche und tierische Grundstoffe wurden bereits lange vor unserer Zeitrechnung mithilfe von Säurebildnern vor dem Verfaulen geschützt. Vor allem laktoseintolerante Bevölkerungsgruppen, zu denen auch verschiedene Volksstämme im Vorderen Orient gehören, nutzten schon früh einen Fermentationsvorgang, den wir heute als Milchsäuregärung bezeichnen. Joghurt, Kefir, Käse und andere Milchprodukte, herkömmlich vergorene oder probiotische Nahrungsmittel verdanken ihren spezifischen Geschmack und ihre lange Haltbarkeit dem Stoffwechsel verschiedener Mikroorganismen, die die Mono- , Di- und Polysaccharide der Milch in leichter verdauliche Stoffwechselprodukte überführen. Der Ab- und Umbau erfolgt enzymatisch, Milchsäurebakterien und andere Probiotika sind deshalb während des Fermentationsprozesses auf bestimmte Temperaturen angewiesen. Streptococcus thermophilus, einer der ältesten Joghurtbildner, arbeitet zum Beispiel in einem Temperaturbereich von 35 bis 45° C. Später halten sich probiotische Nahrungsmittel gekühlt über einen vergleichsweise langen Zeitraum.
Bei der Herstellung probiotischer Lebensmittel spielen Laktobazillen, Bifidobakterien und andere Probiotika aber nicht nur bei der Aufbereitung von Milchprodukten eine Rolle. Auch milchsauer vergorene Gemüse finden sich weltweit seit Jahrhunderten auf den Speisezetteln von Privathaushalten, Lebensmittelhändlern und Gasthäusern. In Europa und Amerika lagerten Haus- und Bauersfrauen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein selbst angesetztes Sauerkraut, Gurken, Bohnen und andere Feldfrüchte als Vitamin- und Nährstoffspeicher für den Winter ein. In Asien galten saure Sojaprodukte und milchsauer eingelegte Früchte als probiotische Nahrungsmittel. Moderne Lebensmittelproduzenten, die probiotische Lebensmittel mit Begriffen wie „Functional Food“ oder „Food Design“ belegen, nutzen probiotisch wirksame Mikroorganismen heute auch wieder zunehmend zur Modifikation von Getreideprodukten, Süßigkeiten und in Wurst- und Fleischwaren.
Um probiotische Nahrungsmittel von herkömmlichen hergestellten Produkten abzugrenzen, bedarf es einer genauen Begriffsbestimmung. Die WHO weist seit 2001 darauf hin, dass Probiotika – und damit auch probiotische Lebensmittel – genau definierte, lebende Bakterienkulturen enthalten, die in ihrer aktiven Form in ausreichender Menge in den Darm gelangen und dort eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. Diese Formulierung stößt allerdings bereits dann an ihre Grenzen, wenn man einfache Joghurtzubereitungen als probiotische Nahrungsmittel deklarieren möchte. Die meisten Verbraucher bezeichnen generell jedes eingedickte, probiotische Nahrungsmittel, das aus Milch gewonnen wird, als Joghurt. Dass das nicht korrekt ist, ergibt sich zum einen aus der Definition der Weltgesundheitsorganisation. Zum anderen enthält ein echter Joghurt ausschließlich die beiden Joghurtbildner Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrückii ssp. bulgaricus. Letzterer hat als Probiotikum Anfang des 20. Jahrhunderts aber auch schon den russischen Nobelpreisträger Ilja Metchnikoff inspiriert, der als erster probiotische Lebensmittel ursächlich mit der Gesundheit bestimmter Volksgruppen in Zusammenhang brachte. Die Übergänge zwischen herkömmlich zubereiteten Fermentationsprodukten und probiotischen Joghurts, Sauermilchzubereitungen und anderen Molkereiprodukten sind deshalb mitunter fließend.
Nahrungsmittelproduzenten, die probiotische Lebensmittel in den Verkehr bringen, müssen einen Mindestgehalt garantieren, der sich vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums auch nicht so weit verringern darf, dass keine gesundheitsdienlichen Effekte mehr nachzuweisen sind. Davon abgesehen müssen probiotische Lebensmittel und die darin enthaltenen Probiotika nach dem Lebensmittelgesetz natürlich sicher sein, das heißt, der entsprechende Stamm darf allen gemachten Erfahrungen zufolge – die über einen sehr langen Zeitraum gesammelt wurden – keine negativen Nebeneffekte hervor rufen. Da probiotische Lebensmittel ausdrücklich keine Arzneimittel sind, darf der Hersteller darüber hinaus keine Aussagen über potentielle Heilwirkungen machen. Erlaubt sind lediglich Angaben zum Nährstoffgehalt und zur Zusammensetzung
Probitic12 und weitere Nahrungsergänzungen erhalten sie 24 Stunden am Tag über unseren Online Shop
Probiotische Nahrungsmittel und probiotische Lebensmittel sind im weitesten Sinne fast so alt wie die Menschheit, denn Fermentations- und Gärprozesse, die Lebensmittel aller Art haltbarer oder verträglicher machen, spielen in der menschlichen Ernährung seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle. Pflanzliche und tierische Grundstoffe wurden bereits lange vor unserer Zeitrechnung mithilfe von Säurebildnern vor dem Verfaulen geschützt. Vor allem laktoseintolerante Bevölkerungsgruppen, zu denen auch verschiedene Volksstämme im Vorderen Orient gehören, nutzten schon früh einen Fermentationsvorgang, den wir heute als Milchsäuregärung bezeichnen. Joghurt, Kefir, Käse und andere Milchprodukte, herkömmlich vergorene oder probiotische Nahrungsmittel verdanken ihren spezifischen Geschmack und ihre lange Haltbarkeit dem Stoffwechsel verschiedener Mikroorganismen, die die Mono- , Di- und Polysaccharide der Milch in leichter verdauliche Stoffwechselprodukte überführen. Der Ab- und Umbau erfolgt enzymatisch, Milchsäurebakterien und andere Probiotika sind deshalb während des Fermentationsprozesses auf bestimmte Temperaturen angewiesen. Streptococcus thermophilus, einer der ältesten Joghurtbildner, arbeitet zum Beispiel in einem Temperaturbereich von 35 bis 45° C. Später halten sich probiotische Nahrungsmittel gekühlt über einen vergleichsweise langen Zeitraum.
Bei der Herstellung probiotischer Lebensmittel spielen Laktobazillen, Bifidobakterien und andere Probiotika aber nicht nur bei der Aufbereitung von Milchprodukten eine Rolle. Auch milchsauer vergorene Gemüse finden sich weltweit seit Jahrhunderten auf den Speisezetteln von Privathaushalten, Lebensmittelhändlern und Gasthäusern. In Europa und Amerika lagerten Haus- und Bauersfrauen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein selbst angesetztes Sauerkraut, Gurken, Bohnen und andere Feldfrüchte als Vitamin- und Nährstoffspeicher für den Winter ein. In Asien galten saure Sojaprodukte und milchsauer eingelegte Früchte als probiotische Nahrungsmittel. Moderne Lebensmittelproduzenten, die probiotische Lebensmittel mit Begriffen wie „Functional Food“ oder „Food Design“ belegen, nutzen probiotisch wirksame Mikroorganismen heute auch wieder zunehmend zur Modifikation von Getreideprodukten, Süßigkeiten und in Wurst- und Fleischwaren.
Um probiotische Nahrungsmittel von herkömmlichen hergestellten Produkten abzugrenzen, bedarf es einer genauen Begriffsbestimmung. Die WHO weist seit 2001 darauf hin, dass Probiotika – und damit auch probiotische Lebensmittel – genau definierte, lebende Bakterienkulturen enthalten, die in ihrer aktiven Form in ausreichender Menge in den Darm gelangen und dort eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. Diese Formulierung stößt allerdings bereits dann an ihre Grenzen, wenn man einfache Joghurtzubereitungen als probiotische Nahrungsmittel deklarieren möchte. Die meisten Verbraucher bezeichnen generell jedes eingedickte, probiotische Nahrungsmittel, das aus Milch gewonnen wird, als Joghurt. Dass das nicht korrekt ist, ergibt sich zum einen aus der Definition der Weltgesundheitsorganisation. Zum anderen enthält ein echter Joghurt ausschließlich die beiden Joghurtbildner Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrückii ssp. bulgaricus. Letzterer hat als Probiotikum Anfang des 20. Jahrhunderts aber auch schon den russischen Nobelpreisträger Ilja Metchnikoff inspiriert, der als erster probiotische Lebensmittel ursächlich mit der Gesundheit bestimmter Volksgruppen in Zusammenhang brachte. Die Übergänge zwischen herkömmlich zubereiteten Fermentationsprodukten und probiotischen Joghurts, Sauermilchzubereitungen und anderen Molkereiprodukten sind deshalb mitunter fließend.
Nahrungsmittelproduzenten, die probiotische Lebensmittel in den Verkehr bringen, müssen einen Mindestgehalt garantieren, der sich vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums auch nicht so weit verringern darf, dass keine gesundheitsdienlichen Effekte mehr nachzuweisen sind. Davon abgesehen müssen probiotische Lebensmittel und die darin enthaltenen Probiotika nach dem Lebensmittelgesetz natürlich sicher sein, das heißt, der entsprechende Stamm darf allen gemachten Erfahrungen zufolge – die über einen sehr langen Zeitraum gesammelt wurden – keine negativen Nebeneffekte hervor rufen. Da probiotische Lebensmittel ausdrücklich keine Arzneimittel sind, darf der Hersteller darüber hinaus keine Aussagen über potentielle Heilwirkungen machen. Erlaubt sind lediglich Angaben zum Nährstoffgehalt und zur Zusammensetzung
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Sonntag, 6. April 2014
Die Menschliche Darmflora
Die Darmflora eines erwachsenen Menschen setzt sich aus 400 bis 500 verschiedenen Bakterienarten zusammen. Diese siedeln auf einer inneren Oberfläche, die auseinandergefaltet eine Fläche von bis zu 400 Quadratmetern bedecken kann. Absolut betrachtet stellt die Darmschleimhaut damit eine der größten Kontaktflächen des Menschen zur Außenwelt dar.
Nahrungsstoffe, körperfremde Organismen, Krankheitserreger und nicht zuletzt potentiell gefährliche Antigene und Toxine passieren täglich unseren Magen-Darm-Trakt und stellen die Darmschleimhaut vor das Problem, zwischen „nützlich“ und „schädlich“ zu unterscheiden. Die Darmflora unterstützt das Verdauungssystem bei dieser Aufgabe unter anderem dadurch, dass sie das Darmlumen mit einem Schutzschild apathogener Mikroorganismen überzieht. Außerdem hält sie die Konkurrenz mithilfe von Bakteriozinen – das sind spezielle Peptide – in Schach und regt das Immunsystem an. Darüber hinaus versorgt die Darmflora die Darmschleimhaut aber auch mit essentiellen Nährstoffen – vor allem mit kurzkettigen Karbonsäuren und bestimmten Vitaminen – und fördert über eine Reizung der glatten Muskulatur die Peristaltik.
Das die natürlicherweise im Darm lebenden Mikroorganismen entscheidend zu einer gesunden Entwicklung des Verdauungssystems beitragen, war der Wissenschaft lange unbekannt. Escherichia coli & Co. galten vielmehr lange als Schädlinge, die den Darm auf Dauer unausweichlich mit giftigen Ausscheidungsprodukten überschwemmten. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zogen einige Forscher die Möglichkeit in Betracht, dass die Darmflora mehr ist als eine lästige Mikrokultur. Heute weiß man, dass der Mensch ohne seine intestinalen Untermieter nicht lebensfähig ist.
Infektiöse Keime und Toxine würden den Organismus ungehemmt überschwemmen, wenn sich im Darm eines Säuglings nicht gleich nach der Geburt eine Darmflora aufbauen würde. Die ersten Keime erreichen den Darmtrakt schon während der Entbindung, denn der Durchtritt durch den Geburtskanal spült die ersten Enterobakterien und Streptokokken über den Mund des neuen Erdenbürgers in dessen Darmlumen. Wenn das Kind gestillt wird, folgen Laktobazillen und Bifidobakterien, die über die Produktion von Milchsäure den pH-Wert absenken und so die weitere Besiedlung durch „gute“ Keime begünstigen. Über die Nahrung und über einen immer engeren Kontakt mit der Umwelt kommen neue Bakterienarten dazu und es kann sich eine Darmflora aufbauen, die beim gesunden Erwachsenen in ihrer Zusammensetzung überraschend stabil bleibt.
Krankheiten, übertriebene Hygienemaßnahmen und bestimmte Arzneimittel können den Aufbau einer physiologisch aktiven Darmflora verhindern bzw. deren Abbau begünstigen. Die nützlichen Helfer werden dann in ihrem Wachstum gehemmt oder sterben ab und an ihre Stelle treten unerwünschte Bakterienstämme, die ihrerseits eine neue, dysfunktionale Darmflora aufbauen. In diesem Fall kamen in der Vergangenheit verschiedene therapeutische Maßnahmen zum Einsatz, die die ursprüngliche Darmflora wiederherstellen sollten. Die bekannteste Therapie dieser Art war die probiotische Gabe von Escherichia coli Kulturen, die Alfred Nissle 1917 in die Behandlung schwerer Durchfallerkrankungen einführte.
Ob Probiotika, die als Nahrungsergänzungsmittel oder auch in Form von Naturheilmitteln eingesetzt werden, tatsächlich eine geschädigte Darmflora wiederherstellen können, ist allerdings bis heute umstritten. Zwar laufen aktuell eine Reihe von Studien, die vor allem die Wirksamkeit von Milchsäure- und Bifidobakterien belegen sollen, der Ausgang dieser kontrolliert durchgeführten Tests ist aber noch offen. Grundsätzlich gilt: Wer seine Darmflora wiederherstellen oder unterstützen möchte, darf sich bis zu einem gewissen Maß auf jeden Fall auf die Selbstheilungskräfte des menschlichen Körpers verlassen. Der kann sich nämlich aus einem ausgewogenen Nahrungsangebot jederzeit wieder eine funktionale Darmflora aufbauen, vorausgesetzt, die eigentliche Ursache für das Ungleichgewicht wurde gefunden, gegebenenfalls therapiert und nachhaltig beseitigt. Für Menschen mit chronischen Problemen der Darmflora kann die Nutzung von Probiotika Kapseln hilfreich sein.
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